CD - Review im Fanzine Tom & Marys

SCARLET FIRE "Demo-CD 2005"

Alternative-Funk-Rock



Was ist denn eigentlich eine "gar knuffige Sängerin"? Keine Ahnung, was der geschätzte Kollege Stefan S. in seinem Review in der "Heavy" gemeint hat, denn knuffig ist für mich z.B. unser Zwerghase, eine Tüte Popcorn oder das Urmel aus dem Eis.

Na ja, jedenfalls haben mich die Zeilchen irgendwie genötigt, die Scheiblette zu ordern. Der nächste Kalauer: Man wollte mir das Teil gar nicht schicken, da die "Billigproduktion" nicht viel taugen würde. Hihi, keine Ahnung, ob das nun Dummheit (sorry) oder Bescheidenheit war. Weder noch, denke ich inzwischen, denn nachdem ich auf Knien rutschend die Platte doch bekommen habe, erlebte ich eine Überraschung der besonderen Art. Jetzt weiß ich, dass es keine Bescheidenheit war, sondern eine ebenso charmante, wie gnadenlose Untertreibung...

Für weitere Irrungen sorgte das Bandfoto auf der CD. Oh je, dachte ich noch, das Frisürchen der Frontdame kommt ja reichlich brav auf die Optik. Die Kapelle wird doch nicht so einen Brav(o)-Teenie-Singsang fabrizieren? Würde ich gar etwas in Richtung AUGUST, SILBERKLON oder HOSENBOLZ auf die Ohren bekommen?

Im Vorfeld wurde ich also auf so viele falsche Fährten gelockt und deshalb traf mich die Wahrheit auch mit entsprechender Wucht. Einfach herrlich! So irrt man sich doch gerne!

Der Opener "All around me" fackelt nicht lange rum, kommt sofort auf den Punkt... und... dann... diese Stimme! Also, darauf war ich echt nicht gefasst. Christina Römer legt ohne die geringste Vorwarnung ein Stimmvolumen auf die Matte, dass sich daneben jeder röhrende Hirsch wie ein Meerschweinchen ausmachen würde! Und der Vergleich passt auch zu fast allen Damen, die mit irgendwelchen Dünnbrettorchestern immer wieder die Pop-Charts bevölkern.

Ja klar, der Sound (deshalb, aber nur deshalb gibts nicht die Höchstnote!) lässt natürlich den einen oder sogar anderen Wunsch offen, aber Herrschaften, man kann doch wohl auch zwischen den Zeilen hören, oder? Das gewaltige Potential dieser Kapelle ist unüberhörbar. Ich frage mich, wieso eine derartige Attraktion nicht sofort von einem Label unter Vertrag genommen wird! Doch bevor ich mich in Rätsel-Haft begebe, mache ich lieber mit dem zweiten Song weiter.

"Good bye" erzählt in eindringlichen Worten, wie man im Hause SCARLET FIRE Abschied zu nehmen pflegt. Auch hier wird nicht lange (ab)gefackelt und Christina schmettert es in die Walhalla: "Fuck off and die." Musikalisch präsentieren SCARLET FIRE einen knackfrischern Heavy-Rock oder von mir aus auch Alternative-Funk-Rock. Da die Combo ja vorerst nur drei Songs abgeliefert hat (live gibt's ungleich mehr), muss die passende Schublade noch etwas warten. Letztlich vollkommen egal, denn die Band macht einfach Feuer unterm Arsch! Drittes Beweisstück: Wanted! Bingo! Und mehr gibt es nicht zu sagen.

Ach doch... die nächste Scheibe soll dann so RICHTIG fett werden. Oh mein Gott! Au weia! Bis dahin werde ich schon mal die Sicherheitsgurte überprüfen und mir prophylaktisch das Trommelfell neu beziehen lassen...

Fazit: Amtlicher Einstand. Brettburger. Rockt die Matte!

Bewertung: 10/12

Thomas Lawall - Juni 2006